vom Autor gelesen

11. Januar 2021

Christoph Sutter liest die beiden folgenden Verse: (Aufnahme: Tele D, 2021)

 

Automaten sind auch nur Menschen 

Bereit zu Samstagabend-Taten

stand ich vor einem Bancomaten,

um von dem Bildschirmkasten eben

zweihundert Franken abzuheben.

Ich tippte die geheimen Ziffern,

um so mein Konto zu entchiffern,

sacht ein und las dann Bitte warte,

ich prüfe eben deine Karte.

Zum erstenmal, füg ich noch zu,

sprach dieser Automat per Du.

Der Bildschirm fragte Was solls sein?

So tippte ich zwei-null-null ein.

Was willst du so viel Geld ausgeben?

Du könntest wohl bescheidner leben!

Der Automat schien mir verhext,

da folgte auch schon neuer Text.

Du hast dein Konto überzogen.

Das ziemt sich nicht für Pädagogen,

drum mach dich dünn und zieh jetzt Leine,

denn Scheine gibt es heute keine!

Dann schwieg der Bildschirm eine Weile

bis hin zu einer letzten Zeile.

Die stand sehr klein. Ich las erstaunt:

Verzeihung, bin heut schlecht gelaunt!

Christoph Sutter

 

 

 

Das Ehepaar

 

Das frischvermählte Ehepaar,

wo er schon alt und greise,

doch sie noch jung und sexy war,

fuhr auf die Hochzeitsreise.

Sie flitterten und wellten ness,

die Junge und der Alte.

Man fragte sich, ob er den Stress

zwei Wochen lang durchhalte…

Doch Tag für Tag erschien das Paar

erneut beim Frühstückstische:

der Gatte strahlte wunderbar,

der Frau entschwand die Frische.

Der Alte schien bis hin zum Schluss

noch voll im Saft und gut im Schuss…

So raubten Nächte Energie

der Jungen dieser Ehe.

Drauf angesprochen meinte sie,

dass sie ihn jetzt verstehe:

Noch ehe sie ge-ehe-paart,

hab er stets klar gestellt:

er habe alles aufgespart.

Sie hätt‘ gedacht, er meint das Geld…

Christoph Sutter